Viel ist passiert seit dem letzten Eintrag, gutes, halbgutes und ganz beschissenes. Ich weiss nicht so richtig wo ich anfangen soll, vielleicht chronologisch.
Meine Balkonbepflanzungen tragen zu meiner Freude schon Fruechte, kleine gruene Tomaten. Die Radischen waren leider von Blattlaeusen befallen als ich wiederkam und mussten im Babystadium gegessen werden. Haben nicht besonders geschmeckt dafuer aber der Schnittlauch. Die Tomaten konnte ich gerade noch vor den bloeden Laeusen retten und sie bluehen fleissig weiter. Dies also gut bis halbgut.
Irgendwas ist da faul in China oder halbfaul und die Medien faulen nochmal einen drauf, jedenfalls ist der Eisenpreis stark gesunken und natuerlich die Aktien der betroffenen Bergbaufirmen. Kleinere Betriebe haben massenweise Leute gefeuert, sogar die Festangestellten. Ich hatte die letzten Wochen vermehrt meinen Wunsch lautgemacht der Firma fest beizutreten und nun sieht das ploetzlich gar nicht mehr so einfach aus wie vor ein paar Monaten. Gluecklicherweise ist meine emsige Arbeitsweise sehr geschaetzt und ich muss keine Angst haben das sie mich nicht mehr beschaeftigen, nur auf die feste Position muss ich wohl noch ein paar Monate laenger warten. Vielleicht hab ich aber auch Glueck weil in einem der Teams gerade viel umstrukturiert wird und dann mehr Stellen freiwerden fuer die ich qualifiziert bin. Wir werden sehen. Halbgut bis nicht so toll.
Jedenfalls wurde unser naechstes kleines Projekt fuer dieses Jahr komplett gestrichen und ich werde ab sofort im Buero arbeiten und bei den geologischen Modellen und Auswertungen helfen. Ich mag das Buero nicht so wirklich aber ich werde sehr viel neues lernen und es ist natuerlich ne super Idee dort praesent zu sein wo sich die ganzen Manager rumtreiben die mir Jobs verschaffen koennen. Also halbgut.
Jetzt also zu beschissen und diesmal richtig beschissen. Am letzten Abend im Camp, welcher mein Letzter fuer diese Saison war ist einer unserer Kollegen nicht aus dem Arbeitsgebiet ins Camp zurueckgekommen. Fuer ihn war es auch die letzte Nacht und er hat den Jungs gesagt sie sollen schonmal das Bier kaltstellen. Wenn jemand um 18:00 nicht zurueck ist wird erstmal im Camp rumgefragt wer ihn als letztes gesehn hat, ob ihn jemand im Camp gesehen hat etc, aber sein Auto war auch nicht auf dem Parkplatz. Dann werden Suchteams zusammengestellt aber wir duerfen eigentlich nicht nachts fahren weil das in dem Gelaende auch sehr gefaehrlich werden kann und man dann extra Erlaubniss vom Manager in Perth braucht. Gegen zwoelf Uhr nachts wurde die Suche dann erfolglos eingestellt und am Morgen bei erstem Licht mit verstaerkter Mannschaft weitergesucht. Gegen zehn war dann endlich der Hubschrauber da und 15 Minuten spaeter hatten Sie sein Auto gefunden. Es war sehr versteckt geparkt und ohne Schaden. Ich hatte die Aufgabe am WalkieTalkie zu sitzen und auf Neuigkeiten zu warten, schrecklicher Job, und als sie ihn dann gefunden hatten konnte ich meine Traenen auch nicht mehr zurueckhalten. Das ewige Warten macht einen irre in solchen Situationen. Nach 2 weiteren Stunden Warten haben sie uns dann alle zusammengerufen und gesagt das er nicht lebendig geborgen werden konnte; weitere Traenen. Wir durften alle zusammen im Camp bleiben und uns gegenseitig troesten oder mit Psychologen sprechen wenn wir wollten und wurden dann am fruehen Morgen alle zusammen nach Hause geflogen.
Aan dem Abend sind 2 deutsche Backpacker bei uns angekommen die jetzt fuer 3 Monate hier wohnen weil Chris momentan in Zuerich seinen Forschungen nachgeht. Ich hab die beiden gleich mal runter zum Pub genommen und die Ablenkung war sehr gut.
Am Freitag haben sich dann nochmal alle von der Arbeit zu einer Abschiedsparty getroffen und die Laune war nicht mehr so bedrueckend wie die Tage zuvor. Ich hab das jetzt auch recht gut verarbeitet, es war sehr schockierend weil es nun schon der zweite Todesfall eines lieben Kollegen war dieses Jahr.
Es war kein Unfall wie letztes Mal, wir wissen noch nicht was wirklich passiert ist und vielleicht werden wir es auch nie wissen, aber es sieht so aus als haette er sich freiwillig das Leben genommen. Und auch unsere Suche an dem Abend haette ihn nicht mehr lebendig gefunden. Das ist alles eine riesengrosse Scheisse sag ich euch.
Was richtig Gutes hab ich irgendwie nicht zu berichten dieses Mal, hoffe das aendert sich wieder.
Ich hab gestern die Buechse Blutwurst aufgemacht und denke an euch und die Heimat.
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| Aboriginal Steinritzkunst |
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| Geologischer Aufschluss unweit unseres Arbeitsgebietes (wir haben eine kleine Exkursion unternommen) |
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